Die Vormittagsversammlung ist zu Ende; aus dem großen Saal strömen die Menschen hinaus auf den Platz. Bekannte begrüßen einander, Kinder holen ihre Tretroller und freiwillige Helfer verteilen Brötchen und Salat. Mit einer Mahlzeitenbox in der Hand suchen sich die Leute einen Platz an den langen Tischen im Freien.
Manche fühlen sich wie ein Fisch im Wasser inmitten einer großen Menschenmenge. Andere müssen erst eine gewisse Hemmschwelle überwinden, um sich zu anderen zu setzen und ein Gespräch zu beginnen. Wie kann man damit umgehen? Wir fragen einige niederländische Teilnehmer.
Auf Gottes Führung vertrauen
Für Matthijs (58) aus BCC Gelderland ist die Sommerkonferenz jedes Jahr ein Höhepunkt.
„Hier bekomme ich die Hilfe, die ich für mein inneres Leben brauche. Ich komme gewissermaßen als neuer Mensch wieder nach Hause.“

Vier seiner fünf Kinder sind ebenfalls auf Brunstad, zusammen mit mehreren Enkelkindern.
Es liegt ihm eigentlich nicht, auf andere zuzugehen. „Ich bin von Natur aus eher introvertiert, deshalb muss ich schon die eine oder andere Hemmschwelle überwinden.“
Dennoch hat er erfahren, wie erbaulich es ist, mit anderen ins Gespräch zu kommen. „Ich habe aber ganz bewusst keine Erwartungen daran, wie es sein soll – für mich ist es jedes Mal eine Art Abenteuer.“
Matthijs vertraut darauf, dass Gott auch darin seinen Weg leitet.

„Es gibt einen Gott im Himmel, der mein Leben lenkt, der meine Bedürfnisse sieht und der gewissermaßen den Kurs für mein Leben vorgibt. Er überlässt mich nicht mir selbst.“
Dieser Glaube gibt ihm Ruhe, wenn er sich in der Menge ein wenig verloren fühlt.
„Aber dieses Gefühl muss nicht bestimmend sein. Ich glaube an Gott, und lebe im Glauben. Ich bin offen für all seine guten Wirkungen. Manchmal entsteht ein Gespräch, manchmal nicht.“ Auch darin erlebt er Ruhe.
„Es gibt einen Gott im Himmel, der mein Leben lenkt und meine Bedürfnisse sieht.“
Matthijs (58) aus BCC Gelderland
Ehrenamtliche Unterstützung
Während der Konferenz gibt es viel zu tun. Hier kann jeder Verantwortung übernehmen – sowohl bei großen, sichtbaren Aufgaben als auch bei kleineren Dingen. Es gibt viele freiwillige Dienste, von der Reinigung und Essensausgabe bis hin zum Ordnungsdienst. Auch Matthijs meldet sich regelmäßig zum Einsatz.

„Als ich mit zwanzig Jahren zum ersten Mal nach Brunstad kam, eröffnete sich mir eine ganz neue Welt. Die Hilfe und Güte, die ich hier erfahren habe, haben so viel für mein Leben bedeutet – für mich ist es nur selbstverständlich, etwas zurückzugeben.“
Dass er bei der ehrenamtlichen Arbeit mit Menschen zusammenarbeitet, die er sich nicht selbst aussucht, sieht Matthijs als Gewinn.
„Wenn du nur mit Menschen zu tun hast, die dir ähnlich sind, seid ihr immer einer Meinung.“ Gerade durch die Unterschiede lernt er von anderen und erfährt mehr über sich selbst. Die Erbauung auf Brunstad kommt für ihn daher nicht nur durch die Verkündigung, sondern auch dadurch, Menschen zu sehen – die ein Leben führen, das spricht, und von denen etwas ausgeht.
„Meine Familie sind die Brüder und Schwestern“
Nicolette (70) aus BCC West-Niederlande reist oft zusammen mit Freundinnen in ihrem Alter nach Brunstad.
„Es sind nicht immer dieselben Menschen, mit denen man zusammen ist oder in einer Wohnung wohnt. Plötzlich kommt eine Tochter mit, und dann wiederum eine Freundin von ihr – so lernt man immer mehr Leute kennen.“

Sie hat keine Familie in BCC, lässt sich aber davon nicht hindern. „Ich dachte: Wer sind dann mein Vater und meine Mutter, meine Brüder und Schwestern? Das sind die Brüder und Schwestern der Gemeinde. Das gibt eine so eine Ruhe.“
Während der Mahlzeiten schaut Nicolette, wo Bekannte sitzen, und setzt sich zu ihnen. Ist dort kein Platz, sucht sie sich einen anderen Tisch. „Es spielt keine Rolle, ob dort eine ganze Familie sitzt oder jemand, der allein ist. Die Gespräche ergeben sich von selbst.“

Sie sei mit einem gesunden Körper gesegnet, sagt sie, und meldet sich gerne für ehrenamtliche Einsätze, die zu ihr passen. „Während so einer Aufräumschicht kommen schon einige Schritte zusammen. Das ist für eine Siebzigjährige nur gut!“
Andere Male zieht sie sich gerne zurück und putzt mit Freude die Hütte, in der sie während der Konferenz wohnt. „So kann ich auch anderen dienen.“
Hat sie eine Ermutigung für diejenigen, die sich allein fühlen und gerne mehr dabei sein möchten? „Ich verstehe, dass man sich so fühlen kann, aber geh einfach raus unter die Leute“, sagt sie. „Das sind deine Brüder und Schwestern, mit denen du gemeinsam in die Ewigkeit gehst. Wenn du es so siehst, gehst du auch anders auf andere zu.“
„Das sind deine Brüder und Schwestern, mit denen du gemeinsam in die Ewigkeit gehst.“
Nicolette (70) aus BCC West-Niederlande
„Nicht nur genießen, sondern dienen“
Gijsbert und Paulien (beide 41) kommen von BCC Twente. Sie haben vier Söhne im Alter von elf bis neunzehn Jahren. Jetzt, da ihre Kinder auf Brunstad zunehmend ihre eigenen Wege gehen, haben sie mehr Gelegenheit, mit anderen Erwachsenen ins Gespräch zu kommen.
Als die gemeinsamen Mahlzeiten Teil des Programms wurden, entschieden sie sich bewusst dafür, diese zu nutzen, erzählt Gijsbert. So lernt man die Menschen besser kennen, sowohl aus der eigenen Gemeinde als auch aus anderen Gemeinden. „Da bekommt man manchmal ein bisschen mehr voneinander mit, was einem selbst eine große Hilfe sein kann.“

„Man kann alle möglichen Gedanken haben, die einen davon abhalten können“, sagt Paulien.“ Zum Beispiel: Ist der andere überhaupt offen dafür, dass ich mich zu ihm setze? Aber man kann davon ausgehen, dass der andere es auch nur gut mit einem meint.“
Eine Aussage, die Gijsbert vor einigen Jahren hörte, ist ihm im Gedächtnis geblieben: „Wir sind nicht hier, um zu genießen, sondern um zu dienen.“ Deshalb bringt auch er sich gerne als freiwilliger Helfer ein. Paulien merkt, dass man auf diese auch Weise mitbekommt, was hinter den Kulissen passiert. Der eine teilt Essen aus, ein anderer putzt die Toiletten, und wieder andere bereiten Programme, Musik und Technik vor. „Das lässt einen noch dankbarer werden.“
Nicht von anderen abhängig sein
Es geht oft um kleine Dinge: einem Kind ein Eis auszugeben oder gemeinsam mit jemandem zum Strand zu gehen. „Mach es nicht von anderen abhängig“, sagt Paulien. „Sei offen dafür. Wenn du im selben Geist bist, kann das nur erbaulich wirken.“